| Reibradantrieb
Nach dem ersten Direktantrieb der Trichtergrammophone wurde mit den
Elektromotoren der Bedarf nach Drehzahluntersetzung mit einem Gummizwischenrad
gelöst. Der grosse Vorteil, bei geringem Schlupf grosse Drehmomente
zu übertragen, wurde mit einem ungünstigen Einkoppeln der Vibration
des Motors in den Teller begleitet (das bedeutet schlechten Rumpelabstand).
Das hohe Drehmoment macht dieses Antriebsprinzip gut geeignet für
Schallplattenschneidemaschinen oder für Plattenspieler mit schwerem
Teller oder/und bei Verwendung von Tonabnehmern mit hohen Auflagedrücken.
Dieses Antriebsprinzip findet man aktuell praktisch nur noch in hochwertigsten
Tonstudiogeräten.
Der einfache Plattenspieler der Konsumerklasse hat mit Reibrad heute
keine Existenzberechtigung mehr, anders die aufwendigen Konstruktionen
von Lenco (75), Garrard (401) oder Thorens (124) etc., die allesamt Kultstatus
erlangt haben.
Schallplattenschneidemaschinen arbeiten überwiegend mit Synchronmotoren
und die Drehzahl wird mit Stroboskop (Netzfrequenz) kontrolliert. Damit
ist klar, daß die durchschnittliche Schallplatte einen Drehzahlfehler
enthalten kann, wie ihn der Toleranzbereich der Netzfrequenz zuläßt. |
| Riemenantrieb
Verschiedenartige Elektromotoren mit kleinem Laufrad (Pulley) können
über einen Riemen die Antriebskraft auf den Plattenteller übertragen,
dabei ist die Drehzahluntersetzung mit einem Drehmomentzuwachs verbunden,
sofern die Riemenelastizität und der Schlupf am Motor nicht vorzeitig
begrenzt. Oft läuft der Riemen unsichtbar über einen Innenteller,
manchmal mit besserem Drehmoment über des Tellers.
Der grosse Vorteil ist die gute Entkoppelung der Vibration des Motors
vom Teller (das bedeutet guten Rumpelabstand) und eventuell die einseitige
Belastung von Motor-und Tellerlager, die beste Lagereinlaufeigenschaften
bringt und extreme Lebenserwartung, selbst, wenn das Lager allmählich
Spiel bekommt. Der elastische Riemen lässt zu, dass der Teller
samt Tonarm auf einem schwimmenden "Sub-"Chassis vom Untergrund wirkungsvoll
entkoppelt ist, aber auch von dem Chassis, welches die Motorvibrationen
hat. In Verbindung mit einem leichten bis mittelschweren Plattenteller
wurde dieses Konzept als Thorens TD 150 zum Inbegriff des HiFi-Plattenspielers
schlechthin, der bis in die heutige Zeit als Linn LP 12 erfolgreich
gebaut wird. Der direkte augenscheinliche Vergleich des Innenlebens
von TD 150 und LP 12 lässt selbst überzeugte Linn-Fans erblassen.
Abgesehen vom Tonarm erscheint der LP 12 als Plagiat mit kleinen
Detailretuschen, die allerdings dem LP12 zu mehr Kultur verhalfen.
Stringantrieb
Es gibt zum Riemen eine Alternative mit dem String, einem Baumwollfaden,
der, einfach verknotet, die Antriebskraft vom Motor zum Teller überträgt.
Die geringere Elastizität scheint klangliche Vorteile zu haben, bedingt
aber, dass der Motor gegenüber dem Teller verstellbar ist, um den
String zu spannen. Strings werden bevorzugt eingesetzt bei Masselaufwerken,
Plattenspielern mit extrem schweren Tellern.
In der praktischen Ausführung gibt es noch diverse Variationen
der Motoransteuerung, eventuell unter Einbeziehung der Plattentellerdrehzahl
in die Regelung.
Die Ausgangsbasis ist oft ein Synchronmotor mit Netzbetrieb (die Drehzahl
hängt von der Netzfrequenz ab).
Billige Modelle haben einen Motoraufsatz mit zwei Stufen für 33
und 45 Umdrehungen/min., der Riemen wird mechanisch umgeworfen.
Schonender für den Riemen ist eine elektronische Regelung für
den Motor, dabei kann entweder ein Tachogenerator die Motordrehzahl (oder
die Plattentellerdrehzahl) zur Regelung zurückmelden, oder die Elektronik
erzeugt eine Frequenz, der der mehrpolige Synchronmotor dann folgen muss,
die Frequenz wird für die gewünschte Geschwindigkeit angepasst.
Regelungen mit Tachogenerator basieren meist auf einem Kollektormotor,
dessen Lebensdauer erheblich geringer einzuschätzen ist als die des
kontaktlosen Synronmotors. Ein batteriebetriebener quarzstabilisierter
Frequenzgenerator ist die derzeit aufwendigste Ansteuerung für einen
langlebigen Synchronmotor. Man bleibt damit von den Netzeinflüssen
verschont, die Unruhe in den Antrieb bringen. Es ist abei durchaus möglich,
dass in Abhängigkeit von der bestmöglichen Laufruhe der Hersteller
eine andere Frequenz als 50 Hz wählt.
Synchronmotor Riemenantrieb
Alle Plattenspieler der Vorzeit und auch heute noch einige preiswerte
Modelle basieren auf dem Synchronmotorantrieb. Abhängig von der Netzfrequenz
dreht der Motor konstante Drehzahl mit hoher Stabilität -auch wenn
die Netzspannung schwankt oder die Last wechselt. Eine Drehzahleinstellung
geht nur mit mechanischen Hilfsmitteln, wie z.B. der spreizbare Motoraufsatz
bei Dual-Riemenantrieben um 1980.
Thorens 160 oder Linn LP12 / Rega Planar sind gängige Beispiele
für bewährte Modelle, die bald 20 Jahre geringfügig verändert
aber im Grunde wie gehabt gebaut werden.
Riemenantrieb mit geregeltem Gleichstrommotor
In dem gekapselten Motor ist die Regelungselektronik gleich mit untergebracht,
die den Motor mit konstanter Spannung ansteuert. Die Langzeitstabilität
ist begrenzt und eigentlich ist dieses Konzept nur geeignet für Plattenspieler
der unteren Preisklasse, die keine hohen Ansprüche erfüllen müssen.
Dieses Antriebskonzept findet man in Plattenspielern, wie sie in späten
Kompaktanlagen mitgeliefert wurden (oder bei Ergänzungsgeräten
unter DM 199 / 99euro).
Tachogeregelter Riemenantrieb
Frequenzgenerator- oder Tacho-geregelte Motoren bieten höchste
Drehzahlstabilität in einem Riemenantrieb. Ein Tachogenerator erzeugt
ein Signal, das zur Regelung der Motordrehzahl ausgewertet wird. Der drehmomentstarke
Motor kann damit sehr effektiv Lastschwankungen ausgleichen und auch langfristig
drehzahlstabil arbeiten.
Sieht man von der Riemenelastizität und der damit verbundenen
Verzögerung ab, kann der kräftige Motor auf Lastschwankungen
sehr schnell reagieren. Der eventuell schwere Plattenteller kann mit seiner
Schwungmasse dieses kleine Manko ausgleichen.
Klassische Beispiele: Thorens 105/115 mit Tachogenerator und Regelung.
Frequenzgeregelter Riemenantrieb
Frequenzgenerator-geregelte Synchron-Motoren bieten ebenfalls höchste
Drehzahlstabilität in einem Riemenantrieb. Ein Frequenzgenerator erzeugt
eine Wechselspannung mit konstanter Frequenz, die zur Bestimmung der Motordrehzahl
eingestellt wird.
Klassische Beispiele: Thorens 126 / 320 mit Frequenzgenerator
Der Linn LP 12 wird mit Lingo ebenfalls zum quarzstabil gesteuertem
Antrieb
Riemenantrieb mit Plattentellerregelung
Kombiniert man den Riemenantrieb mit einer Motorregelung, die die Plattentellerdrehzahl
abgreift, erreicht man eine hohe Drehzahlkonstanz über die Zeit, aber
nur eine begrenzte Fähigkeit auf Lastwechsel zu reagieren, da die
Verzögerungszeit und Tellerträgheit in die Regelungscharakteristik
miteinbezogen werden muß, damit Regelungseinschwingvorgänge
nicht überhandnehmen. Philips hat dieses Konzept in der 400DM (200euro)
Preisklasse wieder eingestellt. |